f Psychogeplauder

Donnerstag, 25. Juni 2020

Die Ja-Sager






In einem Umfeld, das sich der professionellen Betreuung und Behandlung von Menschen mit seelischen Problemen widmet, ist es erwartbar, dass die Kommunikation zugewandt und einfühlsam ist. Darüberhinaus lässt sich unschwer beobachten, dass die Beteiligten auch gewährend und versorgend eingestellt sind. Um diese medizinsoziologisch auf den ersten Blick logisch erscheinende, auf den zweiten Blick aber brisante Thematik ein wenig alltagstauglicher darzustellen, erlaube ich mir im folgenden, einige Facetten konkret herauszugreifen, die sich in unserem Lande ubiquitär finden lassen.

Da haben wir folgende beteiligten Systemmitglieder:

Samstag, 2. Mai 2020

Kriegskind-Ressourcen (Corona III)


Klassisches  Substrat  imaginativer  Traumatherapie




Der erste Corona-Fall in der Praxis war aufregend und unerwartet. Darüber hinaus bescherte er mir nicht nur erste Erfahrungen in telefonischer Psychotherapie, sondern erweiterte meinen mageren büchergeschulten Blick auf die Kriegsgeneration, der sich meistens auf deren Traumatisierungen und Retraumatisierungsgefährdungen bezieht. Zu oft, wie mich eine Patientin nun gelehrt hat.

Martha war 79 Jahre alt, als Covid-19 sie erwischte, und sie kam schon seit eineinhalb Jahren zu mir.

Donnerstag, 23. April 2020

Ex post und ex ante (Corona II)


Hinterher  ist  man  immer  schlauer




Während meiner Gymnasialzeit, irgendwann in der Mittelstufe, hörte ich einmal im Radio einen Beitrag, der sich mit der Schwierigkeit für die Politiker und Herrschenden früherer Epochen befasste, kluge geschichtsträchtige Entscheidungen zu treffen. Ehrlich gesagt konnte ich, vermutlich aus Altersgründen, noch gar nicht allem, was da gesagt wurde, folgen. Aber ein Gedanke blieb hängen: der Radiosprecher nannte ihn das Dilemma des historischen Urteils. Es bedeutet, dass diejenigen,

Sonntag, 22. März 2020

Einer geht noch! (Corona I)


Sensation:  Artverwandtschaft  zum
homo sapiens  enger als  bisher  vermutet!!



Es ist gewagt, in diesen Tagen sich schriftlich zu äußern. Denn während man schreibt, wird schon alles überholt sein am Ende des gerade begonnenen Satzes. Die Opferzahlen, die Wirtschaftsrezession, der Fall des Dax, die Einschätzung der Experten, die Anzahl ausgebrannter Ärzte oder der Konkurse von Kleinunternehmen.

Das einzige, was einem da ein Lächeln ins Gesicht und Gemüt zaubern könnte... sind die sogenannten Hamsterkäufe

Samstag, 7. März 2020

Lotterleben



                  
Arrangement  mit  Izmir-Teppich,
Quell  wilder  Gedanken *




Wenn ein Patient zum ersten Mal meinen Behandlungsraum betritt, fragt er manchmal, so ein bisschen geniert, aber seiner Neugier auf die Psychologie oder wahlweise seiner Angst vor der Totalauslieferung dann doch erliegend: „und wo ist denn bei Ihnen die Couch?“ 

Sonntag, 26. Januar 2020

Außen cool, innen heiß


Außen  cool,  innen  heiß:
seltenes  Restexemplar  einer
unverstandenen  Spezies


Auf dem Foto sieht man ein Faschingskostüm, aber der Artenschutz im Allgemeinen hat nicht nur karnevalsmäßige Bedeutung. 
Obgleich, historisch betrachtet, am Anfang nur die Psychoanalytiker da waren und erst viel später sich aus dieser brillanten Urmatrix einige tiefenpsychologische Therapeuten quasi als revoluzzerhafte unbedeutende Nebenlinie entwickelten,

Dienstag, 14. Januar 2020

Coming soon: "Aussen cool, innen heiß"

... eine der nahenden Fastnacht entsprungene, aber ernst gemeinte Überlegung zur Rettung von Arten, die vom Aussterben bedroht sind - Margarethe fordert Welpenschutz für die Normvarianten unserer bunten Psychoszene!! Nicht nur Patienten, auch Therapeuten haben Anspruch auf Selbstentfaltung. Demnächst hier nachzulesen.

Sonntag, 22. Dezember 2019

Weihnachten über Kreuz





Nach vielen recherchereichen Jahren… habe ich begriffen, was hinter den etwas betulichen Formulierungen der Weihnachtskarten, -briefe und E-Mails steckt: Es sind die Wünsche für das Eintreten dessen, was über die sogenannten Feiertage am unwahrscheinlichsten eintreten wird. Logo. Da hätte ich eigentlich schon früher drauf kommen können: Das, was sowieso erwartbar ist, braucht man ja auch niemandem extra zu wünschen. Da haben wir folgende Wunsch-Attribute für Weihnachten: besinnlich, geruhsam, ruhig, angenehm, im Familienkreis, im Kreise der Lieben, gesegnet oder einfach… schön! „Joyeux“ ist schon eher etwas von den Franzosen Bemühtes, also jedenfalls ist mir aufgefallen, dass das Wort „fröhlich“ im weihnachtlichen Deutschland eher bei netten Spielfilmen oder in Kirchenliedern vorkommt. Aber das Glück wird spätestens bei den – praktischerweise – im Doppelpack gleich mitgelieferten Neujahrswünschen dann bemüht.

Realiter beginnt die unschlagbare Hetze schon Ende November. Und was danach kommt… ist eher die Erfahrung des Fehlenden (dessen, was uns in diesen Tagen immerzu gewünscht wird). In der Weihnachtszeit – und ganz besonders an den Feiertagen – wird uns all das bewusst, was wir noch nie hatten oder was wir nicht mehr haben. Zeit, Gemeinsamkeit, Harmonie ohne familiäre Hintergrundkonflikte. Das Unausgesprochene bedrängt uns, das während des Jahres erfolgreich Verdrängte. Es ist das Gegenteil von Besinnlich. Besinnlichkeit meint einen aktiven, höchst bewussten und gesteuerten Vorgang. Eine Haltung, um die wir uns bemühen, um aus ihr Kraft zu beziehen. Dagegen ist die nachdenkliche Sentimentalität eine vor allem emotionale Verfasstheit, die uns gegen unseren Willen ereilt, an die Oberfläche drängt, ohne uns zu fragen, uns oft nicht besinnlich, sondern bedrückt und bedrängt zurücklässt.

Immer häufiger höre ich in der Praxis von meinen Patienten den Satz: „Ich bin froh, wenn´s rum ist“. Früher schrieb ich ihn denen zu, die keine oder eine zerstrittene Familie haben. Oder den Atheisten, die mit dem Festrummel zu Recht wenig anzufangen wissen. Heute sehe ich klarer: Der Herausforderung des Gewahrwerdens des Fehlenden müssen wir uns alle stellen. Und es scheint mir, als wüchse die Kluft zwischen medial getriggerter Erwartung und dem Fehlenden immer mehr. Gen Himmel.



                                     

Montag, 9. Dezember 2019

Deppen im Dienst


Vorsicht,  Bluff!


Neulich saß ich wieder einmal in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Normalerweise mache ich da Milieustudien und peile darüberhinaus die gesamtgesellschaftliche Lage. Diesmal wollte ich aber bloß im Zug von A nach B fahren, genauer gesagt, ich habe meine Patentante besucht und das ohne Auto, denn draußen waren die Straßen glatt und eisig. Aber es wurde dann trotzdem eine Milieustudie draus. Was willste machen, die Trigger waren derart stark, dass ich gar nicht anders konnte.


Bei der zweiten Haltestelle meiner Reise stiegen zwei ausgebildete Fachkräfte der DB Sicherheit zu.

Freitag, 8. November 2019

Zu kurze Röcke


Geht  doch  noch...
oder ?


Ein außerordentlich sensibles Thema ist die Frage des richtigen Zeitpunktes. Diese Frage betrifft nicht nur Anfänge oder Premieren (Wann wagt ein Sekundarstufe-Zwei-Schüler den ersten Kuss? Wann ist der richtige Moment, den jahrelang schweigenden Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten?).
Genauso wichtig und somit von mindestens ebenbürtiger Relevanz ist die Frage des Aufhörens.