f Psychogeplauder: So easy (Fortbildung I)

Freitag, 14. Februar 2014

So easy (Fortbildung I)












Ein interessanter Umstand, den ich (hier plane ich internationale wissenschaftliche Verbundstudien) eines Tages forschend begreifen möchte, ist die eigentümliche Beobachtung, dass Leute in meinem Umfeld, eben noch Kollegen wie du und ich, plötzlich eine Fortbildung
absolviert haben, bei der sie eine neue Methode entdeckt haben, in der sie flugs certified master geworden sind – und einige Monate später siehst du sie nicht etwa Patienten damit behandeln, sondern sie sind Ausbilder in der Methode geworden und bieten ihre beratenden Dienste an. Der Wechsel vom einfachen Behandler zum Dozenten und Supervisor ist begehrt. Denn dann kannst du deine Arbeitskraft noch besser einsetzen, um den im Sumpfe der Niederlassung tätigen Nichtwissenden zu helfen, die sonst desillusioniert zu werden drohen im Laufe ihrer praktischen Arbeit.

Mein Traum wäre es, dass es doch reichen müsste, sich in einem Ruck diese tollen Tipps, skills und Techniken, Hypnosätze und interventions anzueignen und dann wäre ein für alle mal Ruhe im Karton der Behandlungsprobleme! Damit wären die Therapien viel rascher am Ziel, die Patienten müssten nicht stundenlange Gespräche über sich ergehen lassen, die sie nur beim ersten  und allenfalls zweiten Mal noch interessant finden und die Kassen könnten Geld sparen. Auf diese Art wären drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Toll ! Es würden wenige Sitzungen ausreichen, und du hast sichtbare Erfolge.

Du, als Normalo-Therapeut, meldest dich also, zu einem ursprünglich mal als deine Freizeit vorgesehenen Termin, für den Teil I , II oder III (gerne auch basic, advanced oder master genannt) an, und hoffst, dein Geld ist gut angelegt. Du fährst los, entweder am Wochenende oder abends nach der Praxisarbeit. Du findest einen vollbesetzten, dafür ziemlich unerotischen Seminarraum, der hat manchmal nur Oberlicht, denn die schöneren, lichtdurchfluteten Räume sind für die Patienten oder die Oberärzte (gibt es da eigentlich Überschneidungen?) da. Die meisten Teilnehmer sind so um die 50 und berufserfahren, man schreibt mit, Notizblöcke werden rausgeholt und Stifte gesucht. Sie wirken etwas abgehetzt, um nicht zu sagen, eine Dusche oder eine geruhsame Tasse Tee hätten ihnen offensichtlich gut getan, doch die Fortbildung schließt sich zeitlich eng an ihre eigentliche Tätigkeit an und die Bundesstrasse war wieder einmal voll. Vorne hast du spannende Alternativen zu bewundern: dort steht entweder ein etwas betagterer habilitierter Herr, ein Grandseigneur seines Faches, der durch vortragendes Umherreisen zu nicht unerheblichen Honoraren seine Rente aufbessert und gelegentlich kleinere Witzchen einfliessen lässt, um professionell aufzulockern; oder du findest einen weiblichen ziemlich chicen Hosenanzug vor mit messerscharfem Verstand im Alter von gefühlten 25 Jahren, der gerade sein Psychologiestudium hinter sich gebracht hat, aber schon „viel Erfahrung“ (die sich meistens als Forschungserfahrung entpuppt) in skill A, Verfahren B oder treatment C aufzuweisen hat. Sie redet und redet. Man müsse mit den schwierigen Patienten so und so umgehen. Geheuchelte Dankbarkeit unter den Zuhörern. Bei manchen Teilnehmern auch unterdrückter Ärger über sich selbst, weil man sich, obwohl erfahrener als die Dozentin, so blöd  und rückständig vorkommt, denn: „It´s so easy, just do it !“ Danach hätten der eine oder andere da doch noch eine Frage. Aber gerne, obwohl der Hosenanzug das eigentlich als Störung verbucht, bleibt er taff wie die Frau in der Zahnpastawerbung. Nochmal Powerpoint zur „Vertiefung“.  Am Schluss leuchtet die letzte Folie in azurblau:
ICH DANKE IHNEN FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT !
Bitte schön.

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