f Psychogeplauder

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Pronto?!



well prepared



Die Italiener melden sich am Telefon, wenn sie angerufen werden, mit „pronto“ – was in etwa so viel heißt wie „ich bin bereit“, „ich bin fertig zuzuhören…“, insgesamt betrachtet eine sehr dienstleistungsnahe Art, sich zu melden. Der Name des Angerufenen dagegen zählt gar nicht so viel, wenn man sich meldet; schließlich sollte der Anrufende ja wissen, warum er angerufen hat und auch, wen er sprechen wollte. Eigentlich wäre „Pronto“ auch ein sehr passendes Gesprächseinleitungswort, wenn Therapeuten angerufen werden. Was selten vorkommt. Der Hilfesuchende spricht lieber auf den Anrufbeantworter und geht dann davon aus, dass er zurückgerufen wird.

Sonntag, 22. November 2020

Kinderparadies

 


Justus  wünscht  sich  lieber  ein Nintendo 3 DS XL in pink mit  600 Spielen
Paul  wünscht  sich lieber ein 
Nintendo 3 DS XL in Pink
mit 600 Spielen


In den letzten Jahren habe ich mich beim Denken an die Gepflogenheiten der Kindererziehung gelegentlich selbst an die Zügel nehmen müssen, da ich spürte, dass die political correctness Gefahr lief, von meinem Denken verlassen zu werden.

Samstag, 24. Oktober 2020

Synchronspringen

 


Yes ... we  can  do  it!  Together!

Rüdiger hatte mir beim Erstgespräch zunächst ein farbiges Miniplakat mit einer Konzertankündigung auf meine Seite des kleinen Tisches gelegt. Die Ankündigung betraf einen Gesangsabend, der vor über drei Jahren stattgefunden haben musste. Es hatte etwas leicht Vorwurfsvolles drin gelegen in dieser Geste, auch ein bisschen Wut – ich würde sagen, er hat den Zettel nicht direkt hingepfeffert, aber etwas Tiefempfundendes hatte er da schon – wortlos und heftig – mir mal eben zugeschoben. Mit der Botschaft, mach´ Du es. Ich kann es nicht.

Donnerstag, 10. September 2020

Der König der Käse (Psychohygiene am Käsestand II)


Wie er leibt und lebt: Brie de Meaux
Photo: "France Voyage" Führer Tourismus & Urlaub


Neulich war ich wieder dort, am Käsewagen; ich brauchte ein Stück Eros. Wartend in der kurzen rechten Wartereihe, erhasche ich Fragmente des wahren Lebens; jetzt ist der vordere der beiden links wartenden Männer dran, was aber eine mittlerweile sich einfach in die Mitte der beiden Wartereihen postierte Frau ganz anders sieht. Als einziger Unsympath des fesselnden Schauspiels prescht sie vor, hat mehrere Artikel sich offenbar schon selbst gegriffen, vor ihrem Bauch minutenlang festgehalten wie wertvolle Beute, und legt jetzt alles auf einmal auf die Theke. Das ist meins! Und dann hätte sie noch gerne einen Brie de Meaux. Brie de Meaux, schreit die Verkäuferin beglückt.

Donnerstag, 13. August 2020

Jetzt wird´s verwegen! (Psychohygiene am Käsestand I)


Eros  grüßt  am  Käsewagen


Das Thema Psychohygiene für Psychotherapeuten ist in aller Munde, und es ist nicht nur hip, sondern in den letzten Jahren quasi unerlässlich geworden, dazu bereits während der Ausbildung angehender Psychoklempner einschlägige Tipps und Kenntnisse zu vermitteln. Die Erfahrungen aus der pädagogischen Didaktik zeigen allerdings auch, dass die Vermittlung von Wissen nur eine kurze Halbwertszeit besitzt, verglichen mit der Vermittlung von Fähigkeiten. Überhaupt ist es zweifelhaft, zum Thema Burnoutprophylaxe und Psychohygiene für Therapeuten bloß Seminare und workshops anzubieten („bitte bringen Sie eine Matte mit und locker sitzende Kleidung sowie die Bereitschaft zur Selbsterfahrung“).

Donnerstag, 25. Juni 2020

Die Ja-Sager






In einem Umfeld, das sich der professionellen Betreuung und Behandlung von Menschen mit seelischen Problemen widmet, ist es erwartbar, dass die Kommunikation zugewandt und einfühlsam ist. Darüberhinaus lässt sich unschwer beobachten, dass die Beteiligten auch gewährend und versorgend eingestellt sind. Um diese medizinsoziologisch auf den ersten Blick logisch erscheinende, auf den zweiten Blick aber brisante Thematik ein wenig alltagstauglicher darzustellen, erlaube ich mir im folgenden, einige Facetten konkret herauszugreifen, die sich in unserem Lande ubiquitär finden lassen.

Da haben wir folgende beteiligten Systemmitglieder:

Samstag, 2. Mai 2020

Kriegskind-Ressourcen (Corona III)


Klassisches  Substrat  imaginativer  Traumatherapie




Der erste Corona-Fall in der Praxis war aufregend und unerwartet. Darüber hinaus bescherte er mir nicht nur erste Erfahrungen in telefonischer Psychotherapie, sondern erweiterte meinen mageren büchergeschulten Blick auf die Kriegsgeneration, der sich meistens auf deren Traumatisierungen und Retraumatisierungsgefährdungen bezieht. Zu oft, wie mich eine Patientin nun gelehrt hat.

Martha war 79 Jahre alt, als Covid-19 sie erwischte, und sie kam schon seit eineinhalb Jahren zu mir.

Donnerstag, 23. April 2020

Ex post und ex ante (Corona II)


Hinterher  ist  man  immer  schlauer




Während meiner Gymnasialzeit, irgendwann in der Mittelstufe, hörte ich einmal im Radio einen Beitrag, der sich mit der Schwierigkeit für die Politiker und Herrschenden früherer Epochen befasste, kluge geschichtsträchtige Entscheidungen zu treffen. Ehrlich gesagt konnte ich, vermutlich aus Altersgründen, noch gar nicht allem, was da gesagt wurde, folgen. Aber ein Gedanke blieb hängen: der Radiosprecher nannte ihn das Dilemma des historischen Urteils. Es bedeutet, dass diejenigen,

Sonntag, 22. März 2020

Einer geht noch! (Corona I)


Sensation:  Artverwandtschaft  zum
homo sapiens  enger als  bisher  vermutet!!



Es ist gewagt, in diesen Tagen sich schriftlich zu äußern. Denn während man schreibt, wird schon alles überholt sein am Ende des gerade begonnenen Satzes. Die Opferzahlen, die Wirtschaftsrezession, der Fall des Dax, die Einschätzung der Experten, die Anzahl ausgebrannter Ärzte oder der Konkurse von Kleinunternehmen.

Das einzige, was einem da ein Lächeln ins Gesicht und Gemüt zaubern könnte... sind die sogenannten Hamsterkäufe

Samstag, 7. März 2020

Lotterleben



                  
Arrangement  mit  Izmir-Teppich,
Quell  wilder  Gedanken *




Wenn ein Patient zum ersten Mal meinen Behandlungsraum betritt, fragt er manchmal, so ein bisschen geniert, aber seiner Neugier auf die Psychologie oder wahlweise seiner Angst vor der Totalauslieferung dann doch erliegend: „und wo ist denn bei Ihnen die Couch?“