f Psychogeplauder

Sonntag, 21. April 2019

Epigonen-Probleme





So richtig heiß wird es dann, wenn du als Therapeut nicht der one and only bist. Sowas kommt ja vor, also du redest mit einem Patienten im Erstgespräch so ahnungslos vor dich hin, fühlst dich irgendwie wohlig eingehüllt vom Psychoslang des Patienten und angenehm angetan von den total selbstreflexiv wirkenden Überlegungen dieses neuen Hilfesuchers, und merkst erst gegen Ende, dass derjenige schon bei Frau Kollegin Krötenschreier oder Herrn Doktor Sabbelphillip eine Therapie gemacht hat.

Samstag, 23. März 2019

Wisch und Weg




Ohne diese weißen Rollen könnte man vermutlich leben, aber schlechter. Meine Mutter hatte die Angewohnheit, wenn sie Papiertücher für irgendetwas benötigte, kein ganzes Blatt von der perforierten Rolle abzureißen, sondern ein halbes,

Samstag, 23. Februar 2019

Das Ende vom Schwein


Das  Mini-Schwein  Polly  war  im  September 2006  
zu  Gast  in  einem  Fernsehstudio.

Photo: Sendung „Planet Wissen“ (ARD)


Es ist meistens ein Zeichen der Besserung, wenn depressive Patienten mir spontan ihr Lebensmotto verkünden – oder besser gesagt, dieses wiederfinden, zum Beispiel weil es im Morast grüblerischer Melancholie länger verschollen war und im Laufe der Therapie wieder hervortritt. Das war neulich ein wahrer Durchbruch. Helmut, so möchte ich ihn nennen, weil er, wie der große Helmut Zacharias, ein begnadeter Musiker war, hatte sich anderthalb Jahre zuvor an mich gewandt mit der schlimmsten Trauerreaktion, die ich je bei einem Patienten diagnostiziert hatte. Er war tatsächlich dreieinhalb Jahre nicht zum Friseur und nicht zum Arzt gegangen, hatte seine Wohnung gekündigt und war, über 50 jährig, zu seiner ältesten  Schwester gezogen, wo er dahinvegetierte, das einzige Gewaschene an ihm waren seine Hosen, die die Schwester ihm hinlegte, und ansonsten hatte er in gewisser Weise aufgehört zu leben. Er sagte ein Engagement nach dem anderen ab, hatte dadurch bedingt immer weniger Geld, seine Sachen waren in einen Container eingelagert und die Sachen seiner verstorbenen Frau ebenfalls. Beide Container trennten 400 Meter Luftlinie, er hatte sie bisher nicht betreten können, als er schließlich im dritten Jahr nach dem Tod seiner Gefährtin bei mir vorsprach, weil ein Freund ihm sagte, so geht es nicht weiter. Wir erarbeiteten schrittchenweise die Einsicht, dass er seit dem Todesfall lebte, als sei sein Leben vorbei. Er sah keine Zukunft für sich und keine Gegenwart – alles war im wahrsten Sinne des Wortes „eingelagert“, nicht nur seine  Sachen und die der toten Frau, auch seine Eigenschaften, Wünsche, Hoffnungen. Von warmen Hosen ganz zu schweigen. Der Abschied war ein riesen Thema, er brauchte unendlich lange, den Verlust zu akzeptieren. Wenn während der Zeit seiner Behandlung jemand in der Umgebung starb, brach alles wieder aus ihm heraus, und wir mussten geduldig von neuem anfangen, die Verluste zu ordnen, die Frage der Beerdigungsteilnahme zu überlegen (ja  - nein – nur Friedhof, kein Leichenschmaus) und den Blick, zaghaft, wieder in seine Zukunft lenken.
Neulich brachte Helmut mich, das will was heißen, zum Lachen. Um es milde auszudrücken. Ich hatte einen Lach-Anfall. Helmut geht es besser. Er berichtete, dass er derzeit viel Energie darauf verwende, einem Freund beizustehen, der von seiner Ehefrau abrupt betrogen und dann verlassen worden sei. Er kümmerte sich rührend, schleifte ihn zum Therapeuten (!), redete ihm gut zu, dass nicht alles Gold gewesen sei, was da seitens der Gattin geglänzt hatte. Es könne doch auch ein neuer Anfang sein! Das Gute im scheinbar Schlechten! - Ich atmete flacher. - Und er habe dem Freund sein Lebensmotto mitgeteilt. - Ich japste. - Ihr Lebensmotto? - Ich hechelte. - Sie haben ein Lebensmotto? Das will ich hören! Helmut, der mehrjährig Scheintote, verkündete stolz: Das Ende vom Schwein ist der Anfang der Wurst!




Samstag, 26. Januar 2019

Voll die Spirale!



Rasantes Vorgehen,
nahe am Unmöglichen
           



"Voll die Spirale!" sagte neulich eine Patientin zu mir, sich selbst kommentierend, weil sie wieder einmal nicht zu ihrer eigenen Meinung gestanden war, sondern sich angepasst hatte in einer Diskussion unter Freunden. Immer wieder hatte sie in ihrem jungen 21jährigen Leben feststellen müssen,

Mittwoch, 2. Januar 2019

Normal dull people





Schon FREUD´s Tochter Anna resumierte einmal ziemlich ernüchtert: es sei der späteren, nach dem aktiven Wirken ihres Vaters einsetzenden Entwicklung der Psychoanalyse nicht gelungen, die existierenden mehr oder weniger liebenswerten Normvarianten seelischen Gepräges zu behüten, geschweige denn zu fördern.

Samstag, 1. Dezember 2018

"Der Zinnsoldat". Ein Adventsmärchen




Teilansicht: Bertall L`Intrépide Soldat de plomb


Es begab sich, dass einmal ein Patient besonders lange brauchte, um sich zu seinem ersten Termin bei einem psychologischen Berater zu entschließen; ein ganzes Jahr lang hatte es gedauert, bis er nach langer innerer Reise leibhaftig dort ankam,

Donnerstag, 1. November 2018

Ayshe geht


Wichtiger  Koffer

Eine Frage, die mich schon beschäftigte, als ich im Therapeutenberuf anfing, beschäftigt mich heute, zahlreiche Jahre später, in gleicher Intensität. Noch immer habe ich keine Antwort gefunden

Mittwoch, 26. September 2018

déformation professionnelle


Foto: wikipedia.org.
Turmschädel, Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart
Künstlich deformierter Schädel einer Alamannin



Dass man bei dieser pikanten Angelegenheit üblicherweise den französischen Ausdruck benutzt, liegt naheliegender Weise daran, dass die Sache an sich ja peinlich genug ist

Samstag, 1. September 2018

Bewegungsmelder


Foto: SG Weinstadt e.V.


Überall zieht Technik ein. Du kannst mit Deinem Smartphone binnen Sekunden lesen, ob Deine Plätzchen im Einkaufswagen ungesundes Palmfett enthalten,

Dienstag, 17. Juli 2018

Bonus track



Der  argentinische  Tango
kennt  viele  Varianten


Kennst du das Gefühl, dass aus einem Provisorium, einer spontanen Aktion oder einer völlig unangestrengten Arbeitseinheit das Beste herauskommt